Wolfgang Müller Art


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Marta Lock - Kunstkritikerin

Marta Lock

 

Kunstkritikerin                                                                                                         

 

 

 

Die Unendlichen möglichen Welten in den surrealistischen Werken von Wolfgang Müller

 

Besonderes Kennzeichen des Surrealismus, gleich ob metaphysisch wie bei Magritte und de Chirico oder visionär wie bei Dali oder kindlich wie Mirò, ist das Erforschen paralleler Welten. Fließende oder fragmentierte Wirklichkeiten werden aus neuer Perspektive wahrgenommen mit dem Ziel, das unsichtbare Innere des Äußeren zu zeigen,  welches das Auge  gewöhnlich wahrnimmt. Daraus erwachsen Arbeiten, die den Betrachter dazu zwingen – oder besser hinführen – seinen Blick pausieren zu lassen, um alle Einzelheiten des Bildes meditativ zu erfassen und so deren verdeckte Bedeutungen zu erfahren. Diese wiederum öffnen die Tür zu einer unendlichen Fülle von Optionen, welche in der objektiven Realität nicht sichtbar werden. Die Dimensionen  von Träumen, Visionen oder Veränderungen  von Raum und Zeit verleihen den Bildern diese unwirklichen und doch unglaublich starke Atmosphäre von intensiver Bedeutung.

 

Der Kunstmaler Wolfgang Müller ist Autodidakt, der sich dessen ungeachtet  mit einer beachtlichen Karriere seinen Platz in der internationalen Kunstwelt erobert hat. Er ist ein perfekter Vertreter eines Surrealismus, der den Betrachter fasziniert und  überwältigt, aber gleichzeitig zu eingehender Analyse jedes einzelnen Elements seiner Werke herausfordert und anregt. Seine Welt ist eine solche von Möglichkeiten, von Wahrheiten, die so oder auch anders sein könnten, von Konzepten, deren ursprüngliche Bedeutung sich nachdem Gefühl des Künstlers modifiziert, um sich seiner Sichtweise anzupassen. Das alles drängt sich dem Betrachter nicht auf, sondern regt an zur Wahrnehmung einer relativen, ungewöhnlichen oder einzigartigen Wahrheit.

 

In dem Werk „Endlichkeit“ stellt der Künstler die Protagonisten der Erbsünde in das Bildzentrum, und zwar gerade in dem Augenblick, in dem Eva dabei ist, die ihnen auferlegte Grenze zu überschreiten und damit DEN Akt zu begehen, der sie zu Fall bringen wird. Sie durchbrechen das Netz, welches sie im Garten Eden hält und das, einmal durchbrochen, die Trennungslinie zwischen Vorher und Nachher markiert, zwischen einerseits dem Schutz - dieser dargestellt durch einen Kokon flüssiger Plazenta - und andererseits der unvollkommenen Welt außerhalb, von  diesem Augenblick an in ewiger Evolution.

 

In „Symbiose“ blickt Müller auf den menschlichen Instinkt, vergegenständlicht durch eine Vereinigung von Mann und Frau, die als kopflos und einander fremd dargestellt sind. Dies dient als Aussage, wie wenig Vernunft bei emotionalen und sentimentalen Beziehungen bedeutet und wie stark symbiotische Vereinigung eine Sache der Seele ist, also des Innenbereichs, der nicht durch den Willen beherrscht werden kann, da sie, die Seele,  von höherem Rang ist, unerklärbar und irrational, aber auch sinnlich-fleischlich, weil die Seele das Kleid der Vereinigung der Körper tragen muss, um eine vollständige Verschmelzung zu generieren.

 

In „Selektion“ nimmt der Künstler sich wieder des Themas  Erbsünde an, aber führt es zu einer anderen Bedeutung. Am Anfang stand die urzeitliche Entscheidung, aus dem Paradies herauszufallen. Sie war natürlicher Art. Im Lauf der Jahrhunderte wandelte sich dies. Die Menschen bis hin zur Gegenwart  passten die Früchte der Natur mehr und mehr  mit nichtnatürlichen Rhythmen und Kadenzen ihren Bedürfnissen an; Methoden so präzise und mathematisch,  dass sie durch Automation gesteuert werden konnten.

 

Und wieder: „Mann und Frau“ stellt Müller als Figuren zweier paralleler Welten da, voneinander getrennt, aber benachbart, die sich gegenseitig missverstehen und doch durch eine magnetische Kraft vereint sind, durch Zufälligkeiten, die Begegnungen hervorbringen, Zusammenstöße, die die Beiden zwangsläufig und unauflöslich in enge Verbindung bringen.

In seinem visionären Zugang zur Welt des Realen erscheint alles ganz verschieden, je nachdem, wie man es betrachtet. Darin nimmt Müller die von Escher geschätzte Methode auf, Dinge auf den Kopf zu stellen.

Sein Werk „Stillstand“ zeigt eine Hauptfigur, die symbolisch das Leben trinkt, und um sie herum die äußere Welt. Diese kann man sowohl von oben wie von unten besehen. Jedes kompositorische Element ist doppelt ausgerichtet – eine optische Illusion, die alles und jedes unwirklich macht, genau wie jene Ansammlung von Häusern und Dächern, ohne das das Leben im Inneren erzählt wird. „Stillstand“ zeigt den Menschen der Gegenwart, der sich in Gewissheiten flüchtet, die gar nicht so fest sind wie er denkt, der sich in übertriebenem Individualismus verschanzt, welcher ihn unfähig zu Kommunikation macht, ihn in digitale Isolation und Einsamkeit  führt. Die Wände seines Hauses, von ihm als Refugium wahrgenommen, werden in Wirklichkeit zu seinem Käfig.

 

So ist Wolfgang Müller ein Visionär, ein außergewöhnlicher Exponent des zeitgenössischen Surrealismus. Ihn zeichnet ein überlegter meditativer Ansatz aus, der in den Bildern dieses deutschen Malers  auf einer Welt fußt, welche in ewiger Transformation erscheint, die sein kann, aber nicht ist, die nicht sein kann, und stattdessen ist auf den Leinwänden des Künstlers.

 

Im Lauf seiner Entwicklung war er an vielen Gemeinschaftsausstellungen in Europa (u. a. Venedig, Mailand, Miami Art Weeks, Ingolstadt und Hamburg, um nur einige zu nennen) beteiligt und ist mit bedeutenden und wichtigen Preisen sowie Anerkennungen bedacht worden.

 

 

Marta Lock

 

 

 

 

 


 Wolfgang Müller

Marta Lock's interviews:

 

Müller, the fascination of improbable realities

 

Creative inspiration accompanies in an almost unconscious or stubbornly persistent way the interiority of those who have the gift of knowing how to express themselves through images, through an immediacy that belongs to those who have the ability to filter, interpret, dream up worlds and aspects of reality otherwise unheard, overlooked in the folds of everyday life. Wolfgang Müller soon discovered his natural inclination towards pictorial manifestation, experiencing the freedom to form himself in a completely autonomous manner, without feeling the need to let academic doctrine condition his style in any way, his tendency towards a freedom of expression that is fundamental to give life to a particular and fascinating language. This particular German artist likes to live far from the noise of the big city, immersed in nature and surrounded by the affection of his family. In his canvases, he blends the ability to remain in some way linked to what is real while at the same time relating to dreams, to imaginary worlds that constitute his exploration of infinite possibilities, of what could be if only his imagination could survive the pragmatism of everyday life. Müller's painting is almost an escape, a way of making sense of biblical events or of finding the hidden meaning in common actions and gestures that may instead cover something deeper, something more closely linked to the essence of the characters or places depicted. His art is decidedly Surrealist, but what emerges is not the restlessness, anxiety, the anguish of nightmares that the mind tries to conceal from reason, but what the artist emphasises is the beauty and pleasure of having a different, bizarre, dreamy approach, by virtue of which everything can become more fun, more open to interpretations far removed from how they would appear at first glance. The colours are intense, strong, full, and seem to envelop the characters or objects which, as in a fantasy story, seem to come to life and describe a non-place where everything has a different sense from the ordinary; The shapes, on the other hand, deceive the eye, which knows that it is looking at something familiar but at the same time is disorientated because the references are not where one would expect to find them but are either out of place or within a wider context, small details of an open viewpoint that corresponds to and manifests Wolfgang Müller's approach to reality but also to the imagination. The superimposition of everyday moments on top of out-of-context situations distinguishes the work Begrenzte Suche (Limited Search), which seems to trap all the protagonists within a world limited by the rectangular geometry of the scene in which decontextualised and disproportionate characters move in relation to their surroundings, where a boat seems to overlook a house, where an enormous grasshopper seems to come to explore the human world, where a staircase leads to nowhere and where an angel is in a position opposite, who knows why, to the woman who is playing with her child. This is Wolgang Müller's surreal world, a universe made up of superimpositions, of illogical situations, but at the same time capable of transporting the observer to a fantastic place where everything is different and anything can happen. Let us now get to know the artist in greater depth.

 

Wolfgang, you area self-taught, can you tell us which artists inspired you and led you to choose the surrealist style? How long did it take you to arrive at the form of expression that distinguishes you today?

Artists such as Hieronymus Bosch, Jackson Pollock, Otto Dix, Caspar David Friedrich, Vincent van Gogh, to name but a few, have always been the ones I have loved the most and have been a source of inspiration for my painting. Surrealism gives me the freedom to express my dreams, my emotional moods and other visions. It is a combination of philosophical and political considerations with a new creation of formal language. It took me many years to find my creative voice and the journey continues with every brush stroke. There has always been a rebellion in me against the commercial rules that do not appreciate Surrealism, rules set by powerful people who have decided to institutionally ignore this style, yet I continue on my way.

 

You have a wonderful family and also a job that you share with your wife, how do you find the time to paint? What times of the day do you prefer to dedicate yourself to art?

I am a mentally organised and disciplined person, in the sense that everything must have its own space and its own precise location, so I dedicate certain hours to my work, others to my family, and I reserve certain parts of the day, mainly in the evenings, for painting.

 

Now let's talk about your particular style of painting: how much of what you depict in your artworks belongs to the world of dreams, either yours or your children's, and how much is inspired by reality? What is the message you wish to leave with the viewer?

In my works there are visionary, bizarre and unfathomable drawings, or landscapes and structures that emerge from the unconscious and challenge interpretation. The starting point is mainly environmental and natural impressions. Everything starts with the mental definition of the picture and then I move on to the composition, after which I develop thoughts outside the painting process, which manifest themselves in a bursting flow of the most intimate feelings on the canvas, which can never be repeated. My images want to provoke and sensitise a reaction, any reaction, because I think that this is also the work of an artist, to provoke emotions in the viewer. And because of the ambiguity of the vague and undefined forms, the viewer has room to get in touch with his own soul.

 

How important do you think it is in the contemporary world to leave a way out to escape from reality and take refuge in a fantastic universe?

Art expresses an essential part of what it means to be human. Through art, life's conflicts can be brought to light, explored, better understood and led towards new perspectives. I cannot escape reality, I don't even want to, I love life. I think we live in an era of unprecedented disruptions in human relationships and interactions that affect the entire spectrum of life, from the individual to the personal, to geopolitics and the environment. Today we tend to see interactivity as a technology rather than something now embedded in human emotions and connections. My art directly challenges this state of affairs to revive and inspire the interpersonal and spiritual dimensions of human life.

 

What are your next projects?

For some time now, I have been meditating on starting to try my hand at sculpture, perhaps this is the closest project and I hope to realise it soon.

 

Marta Lock